Angelpark-Schauen
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  1. #1
    Waller-Knaller Avatar von Rumpelrudi
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    Wurftechnik Überkopfwurf

    Ich erkläre hier einmal für alle, wie sie mit einer normalen Brandungsrute und einfacher Urlaubsmontage über die 100 m werfen können.

    Zuerst muss die Sicherheit stimmen, denn ein ängstlicher Werfer verkrampft den Wurf. Ein kraftvoller Wurf will flüssig und "elegant" ausgeführt werden.
    Es ist an den Küsten grotesk-amüsant anzuschauen, wie einige Kollegen zum Wasser spurten, abbremsen und völlig ohne Druck auf der Schnur das Blei hinauspeitschen. Diese Unart dürfen wir uns nicht angewöhnen, denn wir wollen nicht unterwegs stolpern.

    Die Bremse der Stationärrolle muss bis zum geht nicht mehr angezogen werden. Bei einer guten Wurfbeschleunigung kann ein 150 g Blei durchaus bis 20 kg schwer werden, und dann wäre es für die Finger fatal, wenn die Bremse durchrutscht.
    Wer zarte Finger hat, sollte zu einem Tape greifen. Damit lässt sich der Druck auf den Zeigefinger besser aushalten und es verhindert mit der Angelzeit blutige Nagelränder.

    Eine großvolumige Rolle (ab 7000er) mit einer hohen Übersetzung (ca 1 : 5), gefüllt zuerst mit Pufferschnur und dann mit 0,30er Monofil bis zu 95% des Fassungsvermögens reicht. Daran knüpfen wir (ich nehme einen Doppelclinch-Knoten) eine 0,50er Schlagschnur und drehen diese auf, bis mindestens drei, besser vier Lagen auf der Rolle sind.

    Ganz besonders wichtig ist die Länge der Vorfachmontage, denn das Bleigewicht sollte möglichst auf 2/3 der Rutenlänge hängen. Demnach wird die Schlagschnur zugeschnitten. Bitte nur verlötete Sprengringe benutzen, falls diese mitbenutzt werden sollen.
    Vorbereitung ist fertig.

    Der Überkopfwurf

    Als Rechtshänder stellen wir uns normal zum Wasser hin, dabei den linken Fuß etwas vor und nach innen gedreht, den rechten parallel zum Ufer und prüfen den festen Stand. Damit meine ich wirklich, dass der linke Fuß wie festgenagelt steht. Der Blick richtet sich auf einen imaginären Punkt über dem Horizont, denn dort wollen wir hinwerfen.

    Nun nehmen wir die Angel auf die wasserabgekehrte Seite. Umspannen mit der linken Hand das Rutengriffende und strecken den rechten Arm nach hinten und drehen den Rollenfuss nach oben. Viele Angler lassen die Rolle nach unten hängen und wundern sich über einen fürchterlichen Rechtsdrall beim Auswerfen. Ist logisch, wenn die Rute während des Wurfes verdreht wird.

    Jetzt pendeln wir das Bleigewicht, bis es eine Winkelstellung von ca. 45° erreicht hat. Mit der nächsten Pendelbewegung strecken wir den rechten Arm gaaanz weit nach hinten, die linke Hand wandert unter das Kinn, warten bis das Blei an der Rute zerrt und ziehen zum Wurf wie ein Speerwerfer an und drücken mit dem rechten Arm wie ein Kugelstoßer nach vorn und oben durch, wobei sich der Oberkörper wieder zum Wasser dreht und der rechte Fuß gegebenenfalls als Ausfallschritt nach vorn kommt. Der Blick geht dabei zum Horizont.

    Während das Geschoss auf der Reise ist, richten wir die Rute so aus, dass die ablaufende Schnur mit der Rute eine Linie bildet.
    Wenn wir jetzt den Einschlag kaum noch hören, war alles richtig. 8)
    Auf diese Weise sind Würfe an die 135m immer möglich.

    Zum Testen empfehle ich bei einer Rute mit 200g WG ein Blei zwischen 80 und 100g. Bei 300g WG zwischen 120 und 160g.

    Der manchmal zu sehende Ablegewurf ist bei flachen, sauberen Stränden mit viel Sandfläche oder einer Holzauflage auch nicht übel. Nur ist er eine Sackgasse für die Weiterentwicklung.
    Ich würde mir das Ablegen des Bleies nicht angewöhnen, denn das kostet einige Meter und ist spätestens dann, wenn das Wasser betreten wird oder das Ufer unrein bzw. abschüssig ist, sowieso unsinnig. Anders gesehen ist es aber der Wurf, der von allen Anglern beherrscht wird. Oder legt irgend jemand seinen Blinker vor dem Wurf auf den Boden ab ?
    Wenn ein Wurfstil perfekt beherrscht wird, ist das besser.

    Die Kunst für weite Würfe besteht in der optimalen Aufladung einer Angel, die durch ihre Schnellkraft den eingesetzten Hebel auf das Wurfgewicht überträgt.
    Ein kurzes Reißen mit der Angel ist keine Aufladung, und die vergeudete Energie lässt lediglich die Angelrute nachschwingen.

    Ein abgelegtes Wurfgewicht sorgt für null Vorspannung in der Rute. Die Trägheit der Masse verhindert ebenfalls ein schnelles Aufladen. Solche Würfe bezeichne ich persönlich als "Holzhackerstil".
    Lassen wir doch einfach das benutzte Wurfgewicht dafür sorgen, dass eine Angel schon leicht vorgeladen ist. Durch den Schwung nach hinten sorgt schon die Fliehkraft des Gewichtes für eine leichte Aufladung, die lediglich progressiv beschleunigt werden muss. Dafür soll sich der eigene Körper ebenfalls wie eine gespannte Feder strecken, um einen möglichst langen Weg der Beschleunigung zu haben.
    Angeln ist die einzige Philosophie, bei der jemand, der Glück hat, satt werden kann.

  2. #2
    Waller-Knaller Avatar von Rumpelrudi
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    Weitwurftechnik Pendelwurf

    Es geht noch weiter.
    Pendel nicht in Wurfrichtung, sondern bei gleicher Körperhaltung parallel zum Ufer. Gehe mit der Rutenspitze dem hintersten Pendelschwung nach, bis sich die Rutenspitze in Kopfhöhe befindet.
    Jetzt ziehst Du an, indem Du die Rutenspitze 50cm über den Erdboden beschleunigst. Ja, Du reißt die Flugrichtung nach unten. Wenn die Angelspitze genau in der Flucht zur Wurfrichtung ist, ziehst Du den Überkopfwurf so nach oben durch, als wenn Du den Horizont treffen willst. Du wirst schon merken, wie das Bleigewicht am Wurffinger zerrt und es kostet etwas Gewöhnung, nicht zu früh die Schnur frei zu geben.
    Wenn alles klappt schlägt das Blei bei 140m ein.

    Es geht aber noch weiter
    Fingerschutz aufsetzen.
    Du stellst Dich wie immer an den Strand, verdrehst aber den Oberkörper so im Uhrzeigersinn, dass Du Dich wie eine Spirale gewunden fühlst. Du bist mit der Brust in entgegengesetzter Richtung zum Wasser. Die Rute hältst Du steil auf der rechten, verdrehten Körperseite mit locker gestreckten Armen. Also auf der anderen Körperseite, als beim normalen Wurf. Rolle in Augenhöhe. Nun pendelst Du auf der anderen Körperseite in einer gedachten Linie, die 45° nach links von der Wurfrichtung abweicht. Lass die Rute nicht unter 30° Anstellwinkel absinken. Beschleunigt wird, wenn das Wurfgewicht deutlich über der Augenhöhe pendelt. Der Knackpunkt beim Pendelwurf ist, dass Du zum Auswerfen ansetzt, wenn das Blei zum Wasser gependelt ist. Kommt das Pendelbewicht am höchsten Punkt zur Ruhe, wird der Rutengriff angezogen, der Schwung geht auf das Blei, der in Richtung Wasser auf den höchsten Punkt pendelt.

    Hier eine Anmerkung: Bedenke, dass die Kraftentfaltung erst wesentlich später einsetzt. Der "Fluß" würde gestört, wenn in das Pendeln mit zu früh einsetzender Kraft eingewirkt wird. Das Blei würde mitten im Wurf auf den Boden klatschen. Drehe den Oberkörper rechtzeitig in Wurfrichtung und richte es so ein, dass die Rute von hinten über die rechte Schulter kommt.

    In dieser höchsten Zerrung des gependelten Gewichts wird die Rute abwärts geschwungen, bis ca. 20cm über den Erdboden. Jetzt jedoch ist die Rute bereits gespannt und das Blei folgt der richtigen Bahn, die die Rutenspitze vorgibt. Weder Rutenspitze noch Blei berühren den Erdboden, wenn die Entfernung zwischen Rutenspitze und Blei groß genug ist (2/3), so unglaublich es auch klingt.
    Jetzt spürst Du den Zug und es reißt heftig im Finger. Nix mit Pause. Jetzt schwingst Du die Rute durch, in den Speer-Stil-Zug und mit Druck in Wurfrichtung. Wenn Du jetzt den richtigen Loslasspunkt für die Schnur erwischt hast, landet das Blei…weiter geht es kaum.
    Das war der Pendelwurf

    Auch wenn jetzt der Schädel von der Theorie brummt: Es klingt schlimmer als es ist. Nach ein wenig Übung wirkt alles leichter und es fügt sich fast von selbst aneinander.
    Am Ende ist es wie Tanzen: Harmonie und Rhythmus.
    Und bitte nicht schleudern, sondern Auswerfen. Schleudern ist in Deutschland verboten.

    Schöne Videos für die Wurfstile sind bei:
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    Angeln ist die einzige Philosophie, bei der jemand, der Glück hat, satt werden kann.

  3. #3
    Waller-Knaller Avatar von Pütt
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf

    Moin Rudi,

    140m sind aber schon ne reife Leistung, vielleicht auch noch ein Vorfach mit Seitenarmen...Wind kräftig aud die Nase...dann ist schon bei max 100m Ende im Gelände.
    Brandungsangelei ist schon etwas spezielles, gerade bei den Ruten und den sonst doch schweren Bleien.
    Ich bin da immer auf Nummer sicher gegangen, hatte nur Keulenschnur, hier ist die Entfernung an der farblich sich ändernden Schnur ablesbar. Und beim Auswerfen der schweren Montage ist es eher doch ein über die Schulter werfen, weil bei einem Rechtshänder das "Zugende" auf der linken Seite des Körpers vorbei geführt wird. Ob nun mit einer 3,90m oder 4,20m langen Rute, Kraft und Schnelligkeit steht hier ganz oben auf der Liste.
    Wer nun meint beim ersten Wurf die Kneipentür von Bornholm zu treffen dem sei gesagt das dieses so nicht sein wird, auch das Auswerfen bedarf einer Technik die sich ersteinmal angeeignet werden muss.
    Wer mit dünnem Handschuh auswirft ist keine Weichnase, der ist einfach nur schlau, denn ist die "Pelle" erstmal ab ist es vorbei mit dem Auswerfen.
    Zu den Vorfächern sei zusagen das hier die Empfehlung ganz klar zu denen geht die Einhängeclip`s aufweisen, die Montage fliegt dadurch viel ruhiger, es wird eine größere Weite erzielt und das auftreffende Blei löst die Montage aus.
    "Krempel nicht die Hose hoch bevor Du den Bach gesehen hast"

  4. #4
    Plötzenplatscher Avatar von Carphunter
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf

    Und nie vergessen, den Rollenbügel aufzumachen. Bei diesen Bleigewichten wird das sofort bestraft!!!!!!!
    Nicht jeder Angeltag ist auch ein Fangtag........

  5. #5
    Waller-Knaller Avatar von Pütt
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf


    Das kann durchaus mal passieren, aber den Fehler macht man nur einmal.... >

    Schlimmer fand ich immer am falschen Tag da zusein, und wer schon mal 50m Kraut von der Schnur gepuhlt hat weiß wovon ich rede, und das bei jedem Einholen. Aber die Wattwürmer waren bestellt, da half nichts, das waren Tage da habe ich das Brandungsangeln verflucht.
    "Krempel nicht die Hose hoch bevor Du den Bach gesehen hast"

  6. #6
    Plötzenplatscher Avatar von Carphunter
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf

    Oh ja, das mit dem Kraut kenne ich nur zu gut. Das langsam immer weiter die Schur richtung Rute klettert. Und die Finger beim abpuhlen schon so kalt sind das man denkt das man sie nie wieder spüren wird. Aber das ist Brandungsangeln pur. Und wer es noch nie Erleben durfte, kann sich wohl kaum vorstellen wieso man es sich immer wieder antut!!!!
    Nicht jeder Angeltag ist auch ein Fangtag........

  7. #7
    Waller-Knaller Avatar von Pütt
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf


    ...man könnte ein Buch drüber schreiben.
    "Sandsturm" am Strand, Regen,Schnee und kalt wie Sau....ja warum tat man sich das immer wieder an?
    Weil es einfach immer riesigen Spaß gemacht hat! :
    Raus aus der Bude und ab an den Strand, alle anderen Gewässer waren zugefroren, aber Ostsee geht immer. Und dann die vielen Knicklichter an den vielen Ruten am Strand entlang...das sah immer aus wie eine Einflugschneise.
    Wir haben von der Lübecker-Bucht bis hoch nach Fehmarn alles "abgegrast", ja das waren noch Zeiten, sie sind unvergessen!
    "Krempel nicht die Hose hoch bevor Du den Bach gesehen hast"

  8. #8
    Plötzenplatscher Avatar von Carphunter
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf

    Hab da noch ein Bild von. Wie der ganze Strand Rute an Rute vollgestellt ist. Muss ich heute Abend mal raussuchen und einstellen!!!!
    Und spätestens im März gibt es wieder neue Bilder von der Brandung und hoffentlich auch von dem ein oder anderen Fisch...........
    Nicht jeder Angeltag ist auch ein Fangtag........

  9. #9
    Plötzenplatscher Avatar von Carphunter
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf

    Hier noch das Bild zum letzten Eintrag!!! :
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
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  10. #10
    Waller-Knaller Avatar von Pütt
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    Re: Wurftechnik Überkopfwurf


    ...ja da lacht das Herz..... :
    Bilder runden einen Bericht erst so richtig ab, toll gemacht, danke.
    "Krempel nicht die Hose hoch bevor Du den Bach gesehen hast"

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